Über mich

Mein Name ist Volker Linz. Ich lebe im überaus gechillten und bislang noch völlig unhippen Berliner Stadtteil Steglitz, genauer gesagt im darin gelegenen Ortsteil Südende. Ich bin Vater von zwei wunderbaren Töchtern (17 und 24) sowie Ex-Mann von zwei mitunter wundersamen Frauen, die ich nach wie vor schätze und respektiere. „Von Hause aus“, wie man so schön sagt, bin ich gelernter Musikethnologe, Ethnologe und Soziologe und meines Zeichens Magister Artium. Studiert und gearbeitet habe ich in Berlin, Frankfurt am Main und immer wieder auch in Burkina Faso und Ghana, wo ich viele Jahre im Rahmen unterschiedlicher Forschungsprojekte tätig war.

Dass ich heute als Berufsbezeichnung „Kurierfahrer“ angebe, ist schlicht bodenständig und spiegelt eine in den letzten Jahren entwickelte demütige Grundhaltung wieder, nachdem ich vielfach erleben musste wie gefährlich es sein kann, sich aufgrund seiner akademischen Würden über Andere zu erheben.

Seit 1985 lebe ich nun schon in Berlin – habe also das große Glück gehabt, wenigstens noch für ein paar Jahre jenes politische, musikalische und künstlerische Laboratorium namens Westberlin erlebt haben zu dürfen. Die welthistorischen Umwälzungen, die Zeit des Mauerfalls und der anschließenden anarchischen Turbulenzen der ersten Jahre der Nachwendezeit in den frühen Neunzigern habe ich als damals Kreuzberger und Friedrichshainer hautnah miterlebt. Das war biografisch enorm prägend, zumal in diese Zeit auch die Geburt meiner Großen und ein Hochschulabschluss nebst anschließenden Forschungsreisen nach Westafrika fielen.

Vor etwa 15 Jahren habe ich mich – teils vorsätzlich, teils erzwungenermaßen – von der wissenschaftlichen Karriere verabschiedet. Die Gründe hierfür sind so vielfältig, dass sie für viele zukünftige Blogbeiträge ausreichen werden. Nur so viel: Ich saß zum Schluss im eigenen Haus in Burkina Faso mit bis zu zehn Angestellten, einem schicken Nissan Patrol vor der Tür (Frankfurter Studentinnen gingen derweil lasziv gekleidet ein und aus), eine Köchin kredenzte mir die besten Mahlzeiten, während die Leute unmittelbar vor meiner Haustür nicht wussten, was sie und ihre Familien am nächsten Tag zu essen finden werden. Für jeden Tag in Afrika erhielt ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich 268 Westafrikanische Savanne damals 60 DM aufs Spesenkonto. Einfach so. Nur, weil ich mich fern der Heimat im Dienst befand. Von den maßlos übertriebenen 2000 DM für eine popelige 2/3-Stelle einmal ganz abgesehen. Als alter Linker, Kämpfer gegen Neokolonialismus und globalen Turbokapitalismus, fand ich mich plötzlich in einer durch und durch (neo-)kolonialen Situation wieder. Freilich auf der Seite der Privilegierten.

Und dann reichte es mir.

Heute könnte ich Professor sein oder zumindest ein gut dotierter Mittelbauer oder Research Fellow im akademischen Betrieb.  Eine damals im Entstehen befindliche Doktorarbeit namens „Life can be a Gestalt in Time – Studien zur Xylophon-Auratur im westafrikanischen Gyil-Cluster“ ging bei alledem natürlich den Bach herunter. Ein anderer, nicht minder guter Arbeitstitel lautete „Ton und Gedächtnis – Studien zu den Xylophontraditionen am Schwarzen Volta“. Sie, die Unvollendete,  befindet sich heute in zahllosen Kisten und Ordnern in meinem Keller, und sie hat sich immerhin als so resistent erwiesen, die letzten drei Umzüge zu überstehen. Auch hierzu mehr auf diesem Blog. Ich werde dieses Material auf jeden Fall in der einen oder anderen Form noch veröffentlichen. Die ganze Arbeit soll schließlich nicht umsonst gewesen sein.  So ist aus mir ein ganz normaler Bürger und lebenserfahrener Zeitgenosse geworden. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe und träume nicht mehr davon, den vermeintlichen Sprung in eine ganz neue Dimension meines Lebens zu schaffen.

All das hat indes nichts mit Resignation zu tun. Ganz im Gegenteil: es ist überaus wohltuend, sich auf die eigenen Errungenschaften zu besinnen und nicht dauernd höheren Zielen hinterherzuhecheln. Das habe ich lange genug praktiziert.

Biografien entstehen retrospektiv, erhalten erst im Rückblick ihre vermeintliche Stringenz. Die lineare Biografie, in der ein Abschnitt logisch aus einem anderen hervorzugehen scheint, ist und bleibt ein Mythos.

Das wird dir im fortschreitenden Alter genau dann bewusst, wenn du einen so genannten lückenlosen Lebenslauf verfassen sollst. Alles Blödsinn, denn: hört an, was eine der Protagonistinnen in dem Film Les Deux Anglaises et le Continent (1971) von François Truffaut in einer völlig verzweifelten Lebenslage urplötzlich von sich wirft:

« La vie est faite de morceaux qui ne se joignent pas. »

Geradezu mantrahaft läuft dieses Statement bei mir mitunter auf und ab. Das Leben besteht aus Episoden, die nicht zwangsläufig aus einander hervorgehen.

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2 Thoughts to “Über mich”

  1. Servus Volker, ich bin gespannt, weiter so, sau colle Idee mit dem Online-Magazin, plus ziemlich bewegtes Leben!

  2. […] Anläufen doch heute endlich gewagt, ein kleines, wirklich klitzekleines Stückchen „über mich“ zu schreiben… War nicht einfach, aber macht mir Mut. Facing the Sun […]

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