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Ein Tag im Juli

Der Tag des Endspiels der Fußball-WM 2014. Im Rückblick ein Kulminationspunkt vieler vorausgegangener Jahre mit all ihren biografischen Brechungen, voll von extremen Höhen und Tiefen, reichlich Abschieden und Trennungen, quälenden und existenziell bedrohlichen Irrungen und Wirrungen. Kathartisch dieser Tag auch, weil seine bis zum heutigen Tag reichenden Auswirkungen auf mein Dasein paradoxerweise gerade in einem Moment größten Glücks, in einem Augenblick euphorischer Aufbruchsstimmung ihren Anfang nahmen. Was an jenem Tag im Juli passierte, setzte einen Prozess in Gang, der zu nichts geringerem als dem kompletten Umbruch meiner Lebenssituation führte. Heute,…

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Woisch Karle, du brauchscht e gscheits Öl

Dieser großartige Werbeslogan eines schwäbischen Lebensmittelherstellers – nennen wir ihn S. – hat mir seit der Zeit, in der ich zwecks Bekämpfung von berufsbedingter Langeweile und Müdigkeit unzählige Nächte hindurch Radio hörte, immer wieder aufs Neue zu denken gegeben. So wurde mir schnell klar, dass hinter der trivialen Aufforderung an einen Freund, er möge doch die richtige Ölsorte wählen, um seinen Kochkünsten den letzten Schliff und seinen ihm im gleichen Spot kackfrech unterstellten Verdauungsproblemen Herr zu werden, wie gesagt wird, weitaus tiefere Ebenen von Lebensweisheit lagen. Es geht hier bei…

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A working class hero is something to be

Noch vor wenigen Tagen ließ ich mich an dieser Stelle über Zwangsräumungen, Weltuntergangsstimmungen und Selbstmordabsichten aus. All das war natürlich literarisch überhöht, und doch meiner derzeitigen Situation nicht ganz unangemessen. Und genau darum geht es mir hier. Blogger mögen ja bekanntermaßen Selbstdarsteller sein, wie immer wieder zu lesen ist. Aber sie sind um so vieles ehrlicher mit ihren Projekten, als alle die, welche mir, als P. noch lebte, unablässig von angeblich so erfolgreichen Product Placements im digitalen Markt, von ihren Benchmarks, von ihren Incentives, und was da sonst noch alles…

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Schreiben 

Neulich im Krematorium Puttkamer Straße

„Nach langer, schwerer Krankheit“, wie man häufig liest, habe ich heute Abschied von P. genommen. Es war eine recht würdelose Zeremonie in diesem Nazi-Gebäude mit seiner brutalen Sandsteinfassade nahe der Berliner Wilhelmstraße. In unmittelbarer Nähe zum Touristenmekka Checkpoint Charlie gelegen, vollziehen sich hier, in der Puttkamer Straße Tragödien, Schicksale, von denen die pulsierende Masse aus Schulklassen, Start-Up-Nerds, TAZ-Achtundsechzigern, Kleinkriminellen, Schlipsträgern und Abgedrehten da draußen doch so garnichts mitzubekommen scheint. Ich war der einzig anwesende Angehörige – außer mir nur eine resolute Endfünfzigerin, deren Aufgabe es nun sein sollte, die etwa…

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Der „Process“ ist vollzogen, und ich werde, im Gegensatz zu Josef K., weiterleben

Wir erinnern uns: Der Bankprokurist Josef K., der Protagonist des Romans, wird am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Trotz seiner Festnahme darf sich K. noch frei bewegen und weiter seiner Arbeit nachgehen. Vergeblich versucht er herauszufinden, weshalb er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Dabei stößt er auf ein für ihn nicht greifbares Gericht, dessen Kanzleien sich auf den Dachböden großer ärmlicher Mietskasernen befinden. Die Frauen, die mit der Gerichtswelt in Verbindung stehen und die K. als „Helferinnen“ zu werben versucht,…

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