Schreiben 

Neulich im Krematorium Puttkamer Straße

„Nach langer, schwerer Krankheit“, wie man häufig liest, habe ich heute Abschied von P. genommen. Es war eine recht würdelose Zeremonie in diesem Nazi-Gebäude mit seiner brutalen Sandsteinfassade nahe der Berliner Wilhelmstraße. In unmittelbarer Nähe zum Touristenmekka Checkpoint Charlie gelegen, vollziehen sich hier, in der Puttkamer Straße Tragödien, Schicksale, von denen die pulsierende Masse aus Schulklassen, Start-Up-Nerds, TAZ-Achtundsechzigern, Kleinkriminellen, Schlipsträgern und Abgedrehten da draußen doch so garnichts mitzubekommen scheint. Ich war der einzig anwesende Angehörige – außer mir nur eine resolute Endfünfzigerin, deren Aufgabe es nun sein sollte, die etwa…

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