Sie werden kommen

//Sie werden kommen

Sie werden kommen

Sie werden kommen, um mich abzuholen.

Sie werden kommen, um mir alles zu nehmen.

Stumm werden sie ihre Arbeit verrichten, denn:
niemand fühlt sich dabei wohl.

Ich habe es gewusst, war nicht überrascht, und doch
ist dieser Moment ein unerträglicher.

Wie im Taumel, wie im Rausch, verfolge ich die Verrichtungen
der mit ihrem Tross angekommenen Vollstrecker.

Ich bin wie gelähmt, erstarrt zu einer beobachtenden Säule.

Eine Horde von Helfern dazu, die allesamt nur einen Auftrag haben,
nämlich eine Existenz zu vernichten.

Schon ihr Hämmern an der Tür erzeugt Schaudern.
Ich habe keine Wahl. Sie wissen, dass ich da bin.

Es muss schnell gehen, so viel ist klar.
Es muss vollzogen werden, und alle machen mit.
Es sind viele, und keiner ist Mensch dabei.

Schon knipst einer den Strom aus,
ein anderer geht auf die Regale zu.
Wieder ein anderer zerhämmert mein Klavier,
um es so zerkleinert leichter hinaustragen zu können.

Ich empfinde Ekel und Abscheu vor diesen Schergen.
Achtlos schleppen sie alles weg
was mir – jedes für sich – Lebensgeschichte war.
Es ist ihnen egal, wie viel Erfahrung in jedem Buch,
in jedem Dokument meines Lebens steckte.

Auf der Straße steht ein Lastwagen,
in den hinein meine gesamte Existenz geworfen wird.
Wahrlos entsorgt und der Verbrennungsanlage preisgegeben.

Mir bleibt nur noch die physische Existenz, doch
spüre ich mich kaum noch.

Alles geht dahin, alles schwindet.

Und selbst dieses übrig Gebliebene wird
durch die eilends hinzugerufene Ordnungsmacht
entfernt, mitgenommen, wie sie sagen,
und dem Vollzug zugeführt.

Wie in einem schlechten Film, dessen Sequenzen
einfach nicht zusammen passen wollen,
sitze ich im Wagen auf dem Weg in die Unfreiheit.

Sie sperren mich ein.

Das soll es nun gewesen sein?

Nein.

Sie werden nicht kommen, und sie werden mich auch nicht abholen.
Aber in großer Gefahr bin ich dennoch.
Egal, was jetzt passiert,
ich werde gestärkt daraus hervorgehen.

Der Traum ist aus, und ich konnte ihn gerade noch niederschreiben.

You came in this world with nothing
And you’ll leave with nothing but LOVE.
Everything else is just borrowed.

Mike Skinner, The Streets.

Wie wahr.

By | 2016-04-29T19:37:01+00:00 April 29th, 2016|Schreiben|1 Comment

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One Comment

  1. Simmis Mama 15. Mai 2016 at 18:20 - Reply

    Ohwei. 🙁

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