Meine Bewerbung als Texter

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Meine Bewerbung als Texter

Copywriter photo 21

Dieses kleine Bild wurde mir bei einer renommierten Texter-Site mit dem lapidaren Kommentar „Schreiben Sie einfach einen guten Text dazu“ eingeblendet. Keine zweite Chance – selbstverständlich beschrieb ich nicht die Maschine.

Meine kindlichen Finger waren noch nicht kräftig genug, um eine solch schwerfällige Mechanik zu bedienen, und es fehlte zudem an deren für das vollständige Herunterdrücken der Tasten nötigen Länge. Dennoch übte die alte Schreibmaschine, die ich auf dem Dachboden des väterlichen Elternhauses vorgefunden hatte, eine enorme Anziehungskraft auf mich aus. Immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen in dem uralten Fachwerkhaus meines Großvaters, schlich ich mich, nicht zuletzt um den langweiligen Gesprächen der Erwachsenen zu entfliehen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit heimlich davon. Und was ich da zwischen altem Gebälk und modrigem Gerümpel erlebte, war nicht nur die Faszination antiquierter Gerätschaften, sondern das unwiderstehliche Flair eines praktisch komplett eingerichteten Büros, welches Jahre zuvor nach dem Niedergang der lokalen Korbwarenmanufakturen einfach auf den Dachboden verfrachtet worden war.

Bis heute sind mir die Geräusche beim Aufschlagen der metallenen Typen auf das mühselig eingelegte Blatt Papier im Ohr geblieben, genauso wie der Klang der rotierenden Walze, die man Zeile für Zeile weiter zu bewegen hatte, was jeweils mit einem leisen, glockenähnlichen Klang quittiert wurde. Das Ergebnis all dieser Arbeit waren kleine, meist spontan erfundene Texte die dann nach und nach, wie von Geisterhand geschrieben, auf der schon schwer ramponierten Walze zum Vorschein kamen.

Es ist schwer zu sagen, ob es nun genau diese frühkindlichen Erlebnisse waren, die mich auf meinem weiteren Lebensweg immer wieder zu den verschiedensten Tastaturen greifen ließen, um wahlweise entweder Texte oder Klänge hervorzubringen. Eines scheint mir aber sicher zu sein: eine wirkliche Entdeckung, die du als Kind machst, bleibt dir mit all ihren Geräuschen, Gerüchen und Gefahren dauerhaft in Erinnerung.

By | 2016-03-16T03:46:18+00:00 März 16th, 2016|Schreiben|0 Comments

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  1. Volker 24. April 2016 at 18:20 - Reply

    Danke für die Resonanz, Frau Filigran, ich habe ganz bewusst die Anzahl meiner Bücher vor meinem letzten Umzug um zwei Drittel (sic!) reduziert. Es ist so erfrischend, sich der materialisierten Vergangenheiten zu entledigen, und sie trotzdem – vielleicht erst recht! – ganz tief in sich weiter zu tragen.

  2. Madame Filigran 24. April 2016 at 16:33 - Reply

    Beim Lesen deines Beitrags steigt mir der Duft meiner alten Schreibmaschinen in die Nase. Wie sehne ich mich nach ihnen zurück, von denen ich mich leider schweren Herzens getrennt habe, als ich mich räumlich extrem verkleinern musste. Ich würde sie gern zurückholen, aber es ist zu spät, zum Glück konnte ich meine Bücher retten.

  3. freeculturedmindblog 16. März 2016 at 10:30 - Reply

    Da stimme ich dir komplett zu, geht mir ähnlich. Guter Artikel übrigens

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