Schreiben 

Sie werden kommen

Sie werden kommen, um mich abzuholen. Sie werden kommen, um mir alles zu nehmen. Stumm werden sie ihre Arbeit verrichten, denn: niemand fühlt sich dabei wohl. Ich habe es gewusst, war nicht überrascht, und doch ist dieser Moment ein unerträglicher. Wie im Taumel, wie im Rausch, verfolge ich die Verrichtungen der mit ihrem Tross angekommenen Vollstrecker. Ich bin wie gelähmt, erstarrt zu einer beobachtenden Säule. Eine Horde von Helfern dazu, die allesamt nur einen Auftrag haben, nämlich eine Existenz zu vernichten. Schon ihr Hämmern an der Tür erzeugt Schaudern. Ich…

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Lokales Musik Schreiben 

Über den Selbstmord

In diesem Lande, und in dieser Zeit, dürfte es trübe Abende nicht geben. Auch hohe Brücken über die Flüsse. Selbst die Stunden zwischen Nacht und Morgen. Und die ganze Winterzeit dazu. Das ist gefährlich. Denn: Angesichts dieses Elends werfen die Menschen in einem Augenblick ihr unerträgliches Leben fort. Aus dem „Hollywooder Liederbuch“ (Brecht/Eisler, 1942/43) Heute ist ein solch trüber Abend mit unerträglicher Wucht über mich hereingebrochen. Und auch ein Fluss war in unmittelbarer Nähe, in den ich mich hätte ganz spontan, in einem Anflug von Irrsinn, stürzen können. Leider wäre…

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Lokales Schreiben 

Weltuntergangsstimmung

Es könnte jetzt alles so schön sein. Ist es aber nicht. Der April zeigt sich im Steglitzer Südende von seiner wahrlich garstigsten Seite. Innerhalb nur einer Stunde verzeichnete ich hier in chronologischer Reihenfolge Sturm, Regen, Sonnenlicht, Verdunkelung, Aufhellung, strahlend blauen Himmel, graue Wolkenwände, dann plötzlich wieder eine geradezu kitschig sich anbiedernde Frühlingskulisse oder wahlweise einen veritablen Novembermoment. Die paar wenigen Blümchen, die ich bislang in meine Balkonkästen gesetzt habe, sind sich ihrer noch nicht wirklich sicher, sie trauen dem Ganzen noch nicht, verharren in einer Wartestellung. Und zugleich bilden sie,…

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Arbeit Musik 

Wasabi da nur bestellt?

This one goes out to Betty K.- thanks for sharing marvellous moments and an outreagous concert of Archive at Columbia Hall, Berlin. Nun ist es schon ein paar Tage her, seit ich meinen alten Kumpel P. zu Grabe getragen habe. Eine, wie mir immer deutlicher wird, an Absurdität nicht zu überbietende Geschichte kam an diesem solch, wie gesagt wird, rabenschwarzen Tag, zu einem vorläufigen Abschluss. Mein eigenes Leben geht freilich weiter, und ich kann nur sagen, dass dieser schmerzliche Abschied durchaus erstaunliche Energien in mir freigesetzt hat. Wieder und wieder…

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Schreiben 

Neulich im Krematorium Puttkamer Straße

„Nach langer, schwerer Krankheit“, wie man häufig liest, habe ich heute Abschied von P. genommen. Es war eine recht würdelose Zeremonie in diesem Nazi-Gebäude mit seiner brutalen Sandsteinfassade nahe der Berliner Wilhelmstraße. In unmittelbarer Nähe zum Touristenmekka Checkpoint Charlie gelegen, vollziehen sich hier, in der Puttkamer Straße Tragödien, Schicksale, von denen die pulsierende Masse aus Schulklassen, Start-Up-Nerds, TAZ-Achtundsechzigern, Kleinkriminellen, Schlipsträgern und Abgedrehten da draußen doch so garnichts mitzubekommen scheint. Ich war der einzig anwesende Angehörige – außer mir nur eine resolute Endfünfzigerin, deren Aufgabe es nun sein sollte, die etwa…

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Der „Process“ ist vollzogen, und ich werde, im Gegensatz zu Josef K., weiterleben

Wir erinnern uns: Der Bankprokurist Josef K., der Protagonist des Romans, wird am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Trotz seiner Festnahme darf sich K. noch frei bewegen und weiter seiner Arbeit nachgehen. Vergeblich versucht er herauszufinden, weshalb er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Dabei stößt er auf ein für ihn nicht greifbares Gericht, dessen Kanzleien sich auf den Dachböden großer ärmlicher Mietskasernen befinden. Die Frauen, die mit der Gerichtswelt in Verbindung stehen und die K. als „Helferinnen“ zu werben versucht,…

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